Abmahnung wegen Berichts über Fankäufe und Haftung für Blogkommentare

Ein Blogger wurde von einem Unternehmen wegen behaupteten Fankaufs abgemahnt. Der Beitrag erklärt die Hintergründe und gibt Praxistipps, um solche Abmahnungen zu vermeiden.

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Like Detectives

Als Quelle für Fragen rund um den Fankauf selbst, empfehle ich die Website von den „Like Detectives„, die Informationen zum Thema sowie sehr aufschlussreiche Info-Grafiken bieten.

Im t3n-Magazin habe ich einen Artikel geschrieben, der vor übereilten Berichten über Fankäufe warnt:

Fankauf-Diffamierungen: So vermeidest Du Abmahnungen

Der Grund ist eine Abmahnung, die einer unserer Mandanten aufgrund eines solchen Bereichtes erhalten hat. Der Artikel gibt Praxistipps zu Formulierungen solcher Behauptungen, zeigt aber auch Fankäufern worauf sie achten sollten.

Hier im Blog möchte ich noch auf eine zusätzliche Problematik in dem Fall hinweisen. Denn eigentlich hat unser Mandant selbst gar keinen Fankauf behauptet.

Abmahnung wegen Fankauf-Kommentars

Das besondere an dieser Abmahnung war, dass der Mandant weder die Behauptung selbst aufgestellt, noch sie direkt in seinem Blog übernommen hat. Vielmehr handelte es sich um einen Blogbeitrag des Mandanten, in dessen Kommentaren ein Leser vom angeblichen Fankauf eines Unternehmens berichtete und auf ein anderes Blog aus den USA verwies.

Daraufhin wurde der Mandant von dem Unternehmen, das angeblich die Fans kaufte, per E-Mail zur Löschung des Kommentars aufgefordert. Als er sich auf die Meinungsfreiheit berief, erhielt er sofort eine Abmahnung und wandte sich an uns. Wir haben dann vorsorglich eine Unterlassungserklärung abgegeben. Die Zahlung der Abmahnungskosten haben wir jedoch verweigert, da die Abmahnung formelle Unstimmigkeiten bei der Bezeichnung der Parteien erhielt.

Um solche Unannehmlichkeiten zu vermeiden, sollten Sie daher die folgenden Tipps beherzigen.

Praxistipp

Denken Sie daher immer daran:

  1. Sie haften grundsätzlich nicht für die Kommentare der Blogleser (Haftungsprivileg § 7, 10 TMG).
  2. Ab einem Hinweis auf deren Rechtswidrigkeit, sind Sie jedoch zur unverzüglichen Löschung des Kommentars verpflichtet.
  3. Löschen Sie den Kommentar nicht, dann haften Sie so, als ob sie ihn selbst verfasst hätten.

Sprich, wenn Sie sich nicht zu 100% sicher sind, dass das was der Kommentator schrieb rechtmäßig ist, sollten Sie den Kommentar zumindest offline nehmen. Anschließend können Sie sich mit dem Kommentator besprechen. Falls Sie dann überzeugt sind, für den Kommentar einstehen zu wollen, können Sie ihn wieder online schalten.

Antworten Sie auf eine Löschungsaufforderung jedoch keinesfalls mit den Worten, dass sie den Kommentar nur vorübergehend bis zur vollständigen Prüfung entfernen werden. Denn damit kommen Sie Ihrer Löschungspflicht nicht nach. Das heißt, auch wenn der Kommentar nach der Prüfung endgültig gelöscht wird, könnten Sie abgemahnt werden. Denn aus der Sicht desjenigen, der sich beschwert hat, besteht weiterhin die Gefahr, dass der Kommentar wieder auftaucht. Antworten Sie also auf die Löschungsaufforderung schlicht mit „Kommentar ist entfernt„.

Inwieweit Sie über Fankauf selbst berichten können, können Sie im t3n-Magazin nachlesen.

Wir sind auf die rechtliche Absicherung von Unternehmenspräsenzen spezialisiert. Wenn Sie Ihr Unternehmen vor Abmahnungen schützen möchten und in diesem Rahmen eine Beratung oder ein unverbindliches Angebot wünschen, sprechen Sie mich einfach an. Link zum Rückruf- und Kontaktformular
Fax: 030/91 55 2039

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Kommentare

  1. Danke für die Infos – wenn ich alles richtig verstanden habe, dann haftet ein Seitenbetreiber – im beschriebenen Fall ein Blog nicht für die Kommentare. Wie verhält es sich jedoch, wenn in einem Onlineshop ein Kommentar abgegeben wird, der dann vom Administrator freigeschaltet wird? Haftet dann der Betreiber oder der Verfasser?

  2. vielen Dank für die Infos. Da wir auch ein Blog betreiben sind das wichtige Informationen die man hier auf der Seite finden kann

  3. danke für den tollen Beitrag,

    in der heutigen Zeit sind solche Informationen für Webseiten-Betreiber und Blogger Goldwert!

Trackbacks für diesen Beitrag

  1. STERN TV-App: Eindimensional und populistisch : Likedetectives
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