Abofallen bei Smartphones (Appzocke) und wie man sich gegen sie wehren kann

Smartphoneanbieter werden zu Kasse gebeten, weil sie angeblich mit einem Klick auf ein Werbebanner ein Abo abgeschlossen haben. Stimmt das? Und wie kann man sich dagegen wehren. Wir zeigen es Ihnen.

Heute kommt ein Beitrag im Fernsehen, für den ich zu Abofallen auf Smartphones interviewt worden bin (Akte 2010 auf Sat1 am 26.10.2010 um 22:20).

Hier eine kurze Zusammenfassung des Interviews und Tipps wie man sich wehren kann:

Worum geht es?

Smartphonenutzer (Iphone, Android, etc) können sich kleine Programme, genannt Applikationen oder kurz Apps auf deren Handys downloaden. Viele dieser Apps sind kostenlos und werden durch Einblendungen von Werbebannern finanziert.

Da man auf diese Banner schnell auch aus Versehen klicken kann, haben sich einige Anbieter eine neue Masche erdacht, wie man mit angeblichen Abonnements Geld von den Anwendern bekommen kann. Sie behaupten dazu, dass durch einen Klick auf ein solches Banner oder Umleitung auf eine Seite nach dem Klick ein Abovertrag zustande gekommen ist.

Diese Anbieter kooperieren mit den Mobilfunk-/Telefonanbietern. Diese sind zwar nicht an dem Abovertrag und der angeblichen Anmeldung dazu direkt beteiligt, erbringen aber ganz neutral zwei Leistungen. Sie geben die Telefonnummer des Handys an die Aboanbieter weiter und ziehen mit der Telefonrechnung die Gebühren für das Abo ein.

Der Betrag beläuft sich meistens auf eine kleine monatliche Summe zwischen 6 und 12 Euro. Der Betrag ist extra so bemessen, dass man den Aufwand deswegen zum Rechtsanwalt zu gehen scheut.

Kommt durch den Klick auf ein Werbebanner ein Vertrag zu Stande?

  • Nein, ein Klick auf das Banner reicht für einen Vertragsschluss nicht aus.
  • Auch wenn man zu einer Seite weiter geleitet wird, auf der vielleicht irgendwo ganz am Ende und kleingedruckt in den AGB die Preise und Laufzeiten für die Abos genannt werden, wird kein Abo-Vertrag abgeschlossen, da die Kosten und Laufzeiten klar und deutlich erkennbar sein müssen.

Was kann man gegen die Aborechnung unternehmen?

  • Dem eigenen Telefonanbieter innerhalb von 8 Wochen ein Einschreiben schicken, in dem steht, dass man den Abo-Posten nicht bezahlen wird. Hinweis: Außerhalb dieser Frist kann immer noch ein direktes Vorgehen direkt gegen die Anbieter dieser Abos möglich sein.
  • Dann den Rechnungsbetrag entsprechend kürzen oder über die Bank zurückfordern.
  • Anschließend, den auf der Rechnung ausgewiesenen Aboanbieter kontaktieren (kostenlose Telefonnummer muss auf der Rechnung stehen). Dieser wird sehr wahrscheinlich sagen, er sei nur der Vermittler.
  • Dann nach dem Auftraggeber fragen und hartnäckig bleiben, bis man bei dem richtigen Anbieter landet. Diesem gegenüber erklären, dass kein Vertrag zu Stande gekommen ist und falls, dieser widerrufen wird. Dies anschließend zusätzlich per Einschreiben an den Aboanbieter schicken. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird das Abo aus „Kulanz“ storniert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anbieter ihre Ansprüche gerichtlich durchsetzen, halte ich für gering, da sie es wissen, wie schlecht ihre Chancen stehen.
  • Wichtig: Sollte doch  ein „Mahnbescheid“ von einem Gericht kommen, muss dagegen bei Gericht Widerspruch eingelegt werden!

Wie kann man solche angeblichen Abos künftig vermeiden?

Die beste Lösung ist es Mehrwertdienste bei seinem Telefonanbieter sperren zu lassen. Die meisten erbringen diese Leistung kostenlos.

Ist das nicht Betrug?

Nach allgemeinem Sprachgebrauch, in dem „Übers-Ohr-Hauen“ dem Betrug gleich gesetzt wird, kann man es so nennen. Für einen strafrechtlichen Betrug dürfte das fälschliche Meinen, dass ein Vertrag zustande gekommen ist noch nicht ausreichen. Allerdings, wenn die Anbieter anfangen Inkassounternehmen zu beauftragen oder die Forderungen anderweitig durchzusetzen, obwohl es offensichtlich ist, dass kein Vertrag vorliegt, könnte ein Betrug angenommen werden. Und schon deswegen glaube ich nicht, dass sie es häufig versuchen werden.

Sollte man per Rechtsanwalt gegen solche „Appzocke“ vorgehen?

Die rechtsanwaltliche Beratung und Durchsetzung der Ansprüche ist in der Regel erfolgsversprechender. Die Abo-Beträge sind aber mit Absicht so knapp gehalten, damit man keinen Rechtsanwalt aufsucht. Doch werden Sie sich bei laufenden Abos summieren und so durchaus die Kosten einer Rechtsberatung erreichen.

Insbesondere wer eine Rechtsschutzversicherung hat, sollte einen Anwalt aufsuchen, da aufgrund der guten Erfolgsaussichten die Kosten ohne Probleme übernommen werden dürften.

Hinweis: Aufgrund von Umstrukturierungen, bieten wir keine Rechtsberatung zu Abofallen mehr an.

Weitere Informationen

Vorschaubild Startseite: closari CC-BY

Ein Kommentar

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  1. Mobilfunk. Ohne Bestellung ein ABO. - Ein Blog für Rödermark
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