Urheberrecht und Präsentationsunterlagen – Pflichtwissen für Vortragende & Veranstalter

Auch bei Präsentationsunterlagen müssen die Urheberrechte an den verwendeten Bildern beachtet werden. Vor allem wenn die Präsentationsfolien nachträglich online zugänglich gemacht werden.

732
SHARES

RASchwenke_Vortrag_MOT_11_2012_n1_kl

Dass man sich bei einem Vortrag neben der eigentlichen Präsentation auch auf deren rechtliche Aspekte konzentrieren muss, mag lästig erscheinen, kann aber viel Ärger ersparen. (Fotograf: Manniac bei MoT Berlin 2012)

Wenn Sie heutzutage öffentlich Bildmaterial verwenden, denken Sie (besonders als fleißige Leser meiner Beiträge) bestimmt sofort daran, die Rechte an den verwendeten Bildern zu klären. Aber würden Sie dies auch tun, wenn Sie eine Präsentation erstellen oder fremde Präsentationsfolien einbetten oder hochladen?

Das war bisher kein typischer Abmahnungsfall und viele sind darauf noch nicht sensibilisiert. Höchste Zeit, dies in Angriff zu nehmen, denn eine Mandantin von mir hat nun eine Abmahnung über 6.000 € erhalten.

In diesem Beitrag möchte ich daher aufzeigen, welche rechtlichen Fallstricke bei dem Umgang mit Präsentationen drohen. Dabei gehe ich sowohl auf die Gefahren für Referenten, Veranstalter oder diejenigen ein, die Präsentationsfolien einbetten.

6.000 € wegen Präsentationsfolien

Bei der Abmahnung, die ich eingangs erwähnte, wurde ein großer deutscher Konferenzveranstalter abgemahnt. Als Service bot er auf seiner Website die Vortragsfolien aus den Konferenzen zum Download an. Dabei wurden Screenshots der Startfolien als Vorschaubilder verwendet.

Auf diesen waren jedoch Bilder zu sehen, die die Vortragenden aus Stockbildarchiven erworben haben. Dabei verpflichteten sie sich insbesondere zu einer Urhebernennung bei der Verwendung der Bilder. Da diese weder in den Präsentationsfolien, noch neben den Vorschaubildern vorhanden waren, lag ein Verstoß gegen die Lizenzbedingungen vor.

Weil es sich um eine Mehrzahl von Bildern handelte, die zum Teil seit über 5 Jahren online waren, summierten sich Abmahnungskosten als auch der Schadensersatz auf 6.000 €. Das wäre nicht passiert, wenn alle Beteiligten die folgenden Rechtsgrundsätze für Präsentationsfolien beachtet hätten.

Tipp: Auf unserer Themenseite zu Bildern & Bilderabmahnungen erfahren Sie, was bei der Nutzung von Bildern beachten werden muss. Eine vertiefte Erklärung des Bildzitats können Sie dem Beitrag „Wann ist ein Bildzitat erlaubt? – Anleitung mit Beispielen und Checkliste“ entnehmen.

Hinweise für Referenten

Wenn Sie als ReferentIn fremde Bilder in Ihrer Präsentationsfolie verwenden möchten, gelten dieselben Grundsätze wie z.B. bei deren Verwendung auf einer Website.

  1. Alle Bilder sind rechtlich geschützt – Gehen Sie davon aus, dass alle Fotografien und Bilder rechtlich geschützt sind.
  2. Einwilligung einholen – Klären Sie die Rechte, also fragen Sie bei den Urhebern/Rechteinhabern nach einer Einwilligung.
  3. Quellenübersicht – Wenn Sie Bilder bei Stockarchiven kaufen, beachten Sie die Lizenzbedingungen, insbesondere die Urhebernennung. Es ist ausreichend, wenn Sie diese am Ende der Präsentation in einer Quellenübersicht aufführen. Es sei denn, das Stockbildarchiv verlangt die Urhebernennung direkt neben dem Bild.

Bei Präsentationen werden Sie sich zudem häufig auf das Recht zum Bildzitat berufen können. Dieses hat jedoch die folgenden Voraussetzungen:

  1. Belegfunktion – Sie müssen sich mit dem Bild geistig auseinandersetzen. Wenn Sie zum Beispiel über eine Marketingaktion berichten, dürfen Sie die verwendeten Medien als Screenshot präsentieren. 
  2. Keine Illustration – Das Bild darf nicht verwendet werden, wenn es lediglich „thematisch passt“. Ihre Ausführungen müssen sich auf das konkrete Bild beziehen. D.h. wenn Sie über das Marketing von Fluggesellschaften im Netz berichten, dürfen Sie durchaus Screenshots der angesprochenen Websites zeigen. Aber Sie dürfen in diesem Rahmen nicht das Bild irgendeines Flugzeugs verwenden.
  3. Umfang – Ein Zitat muss notwendig sein. D.h. wenn Sie die Fluggesellschaft X in einem Beispiel erwähnt haben, heißt es nicht dass sie mit Bildern von deren Website die gesamte Präsentation ausschmücken dürfen.
  4. Quellenangabe – Geben Sie den Namen und den Link zur Quelle an. Das kann auch im Quellenverzeichnis geschehen.

Im Übrigen wird es rechtlich wenig helfen, wenn Sie sich darauf berufen, dass die Präsentation nur in einem kleinem Rahmen stattfand. Zum einem haben Sie die Bilder vervielfältigt und zum anderen ist so gut wie jede Veranstaltung öffentlich, auch wenn man Eintritt bezahlen muss. Ferner zeigt der nächste Abschnitt, dass die Probleme vor allem im Anschluss an die Präsentation beginnen.

präsentationen_quellenangaben

Die einzelnen Quellenangaben sollten Sie auch den jeweiligen Bildern zuordnen. Das geht, indem Sie die Bilder kurz beschreiben.


Hinweise für Veranstalter

Veranstalter haften grundsätzlich nicht für die Urheberrechtsverstöße der Referenten bei deren Vorträgen. Das ändert sich jedoch, wenn sie deren Präsentationsfolien zum Download anbieten. In diesem Fall begehen die Veranstalter selbst einen Urheberrechtsverstoß und können abgemahnt werden.

Ich empfehle daher die folgenden Punkte zwecks Risikominderung zu beachten:

  1. Passwortschutz – Das praktisch beste Mittel besteht aus einem Passwortschutz für den Downloadbereich. Hier kann ein Risiko nur entstehen, wenn Sie jemand „anschwärzen“ sollte.
  2. Auf  Vorschaubilder verzichten – Sind die Präsentationsfolien für jeden verfügbar, sollten Sie zumindest darauf verzichten, daraus Vorschaubilder zu erstellen. Auf den Vorschaubildern sollten nur der Titel und die Namen der Vortragenden sichtbar sein. Dies ist sinnvoll, da Suchrobots Verstöße innerhalb der Folien bisher nicht zu erfassen scheinen. Das kann sich jedoch ändern.
  3. Sperren und Druck verbieten – Sie sollten in den zur Verfügung gestellten Powerpoint- oder PDF-Dateien das Exportieren/Verändern/Kopieren von Bildern sperren. Dies zur Sicherheit, weil Lizenzbedingungen von Stockanbietern die Weitergabe von Templates verbieten. Man kann sich gut streiten, ob dies hier der Fall ist, aber dieser Punkt kann der Vorbeugung und der Risikominderung dienen.
  4. Einwilligung, Hinweise und Freistellung – Stellen Sie nur dann Folien online, wenn die Vortragenden sich damit nachweislich einverstanden erklärt haben. Weisen Sie sie dabei auf die Einhaltung der Urheberrechte hin. Wenn Sie einen Vertrag schließen, vor allem bei kostenpflichtigen Engagements, können Sie eine Klausel aufnehmen, dass die Vortragenden Ihnen die Kosten bei Verstößen ersetzen müssen.

Hinweise für andere Nutzer von Präsentationen

Präsentationen sind urheberrechtlich geschützt. Wenn Sie fremde Präsentationen hochladen wollen, bedürfen Sie der Einwilligung der Vortragenden.

Es gibt aber auch Plattformen wie Slideshare, die es erlauben die dort vorhandenen Präsentationen per Code in die eigene Website einzubetten. Enthalten diese Präsentationen jedoch unerlaubterweise verwendete Inhalte oder wurden die Präsentationen gar nicht von den Inhabern hochgeladen, könnten Sie unter Umständen selbst für die Rechtsverstöße haften.

Diese Haftungsfrage bei Einbettung von fremden Inhalten wird gerade vor dem Europäischen Gerichtshof und dem Bundesgerichtshof im Fall von Youtube-Videos entschieden. Die Tendenz deutet eher auf eine Haftung hin.

Hinweis zur Einbettung: Die rechtlichen Aspekte der Einbettungs- bzw. Framingproblematik finden Sie bei den Kollegen Ulbricht oder Diercks und Dirks verständlich erklärt.

Fazit und Praxishinweise

Vortragende sollten immer darauf achten, dass die Präsentationen rechtlich „sauber“ sind, da sie sonst in Gefahr laufen, dem Veranstalter die Kosten etwaiger Abmahnungen ersetzen müssen.

Besteht Unsicherheit was die Rechte angeht, sollten sie die Veranstalter darauf hinweisen und einer Veröffentlichung nur mit Passwortschutz zustimmen. Man sollte allerdings die Klärung der Rechte vorziehen.

Ich empfehle aus eigener Erfahrung, eine Folie mit Quellenangaben anzulegen und diese bei jedem neuen Bild zu aktualisieren. Dann hat man zuletzt einen freien Kopf, um die Präsentation auszufeilen.

 

Wir sind auf die rechtliche Absicherung von Unternehmenspräsenzen spezialisiert. Wenn Sie Ihr Unternehmen vor Abmahnungen schützen möchten und in diesem Rahmen eine Beratung oder ein unverbindliches Angebot wünschen, sprechen Sie mich einfach an. Link zum Rückruf- und Kontaktformular
Fax: 030/91 55 2039

732
SHARES

Kommentare

  1. Guten Tag Herr Schwenke,
    danke gelungener Beitrag.
    In der deutschen Redekultur sind wir nicht daran gewöhnt Quellenangaben zu machen – egal ob Bild oder Datenmaterial. Traurig, sehr traurig und wie Sie hier aufzueigen sehr kostspielig.

    Für gute Redner gehört es zum guten Ton Quellenangaben sowohl in die Redestruktur als auch in die Präsentation aufzunehmen. Dabei empfehle ich Titel und Autor/Fotograph direkt im oder neben dem Bild. Genaue Quellenangabe dann im Anhang und im digtalen Zeitalter empfehle ich hier auch den direkten Link zur Bildquelle.

    Hier haben deutsche Redner viele Hausaufgaben vor sich liegen. …

  2. Würde mich nicht wundern, wenn eine Stockfotosite mit Sitz in München mit dem Anfangsbuchstaben P und Pseudo-Fotografin „Gabi S.“ im zitierten Fall involviert wären. Mit solchem Abmahnabzockverhalten erweist man der Stockfotobranche einen Bärendienst. Also: Raus mit den Stockfotos aus Powerpoints und Prezis. Lieber selbst etwas zeichnen und mit dem Smartphone fotografieren. Die Qualität der Bilder aus P….. erreicht man sicher auch.

  3. Danke für den informativen und erhellenden Beitrag!
    Da ich viel vortrage – und dazu in meinen PPTs auch oft mit Screenshots arbeite – habe ich mir die gleichen Fragen auch schon gestellt. Bezüglich der Bild-Zitate kann ich also mal aufatmen.
    Generell achte ich bei meinen Präsentationen darauf, dass Quellen genannt werden (aus der Wissenschaft abstammend ist das für mich obligatorisch) – und im Zweifelsfall entferne ich vor Veröffentlichung auf Slideshare strittige Abbildungen (nämlich rein illustrative, die keine Zitatfunktion haben, sondern nur ‚hübsch‘ sind), wenn die Rechtslage mir unklar ist.
    Nun lese ich, dass selbst das Zeigen im kleineren Kreis fragwürdig ist, da eine Vervielfältigung vorliegt. Uff. Immer ist noch auf Irgendwas zu achten.
    Ich pack demnächst den Zeichenstift wieder aus, und fotografiere wieder selbst, dann ist vielleicht Ruhe. Fördert auch die eigene Kreativität.

  4. Kleine ergänzende Frage:
    Wie ist es mit Vorträgen im Rahmen der Hochschullehre?
    Ich zeichne gelegentlich diese Veranstaltungen auf und stell diese den Studenten zur Verfügung oder auch bei Youtube ein.
    Danke im Voraus!
    Nicolas Scheidtweiler

Trackbacks für diesen Beitrag

  1. Social Media Recht | A Listly List
  2. Bookmarks der letzten Woche (KW 37, 2013) | Büchereizentrale Niedersachsen...
  3. Creative Commons Bilder kostenlos und legal nutzen | howknow
  4. Social Media- Internet- Recht #markenrecht #urheberrecht #abmahnung #gesetz #recht #spam #cc #copyright #law | A Listly List
  5. Social Media Recht | A Listly List
Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.